Naherholung in der Region

Meine Damen und Herren,

beim Versuch, die Qualität der Naherholungsgebiete in unserer Region auf die eine oder andere Art und Weise zu verbessern, sollte man – so macht man es üblicherweise – sich zunächst fragen, was Naherholungsgebiete eigentlich auszeichnet.

Offenbar haben diese mit wenigen Ausnahmen immer etwas mit Natur zu tun, sei es kultivierte Natur oder gänzlich unbehauene landschaftliche Freiräume. Kein Mensch würde beispielsweise auf die Idee kommen, die Trampolinsprungbude im Industriegebiet, in die meine Tochter immer zu Kindergeburtstag eingeladen wird, als Teil der Naherholung zu definieren. Obwohl die Sprungbude im Industriegebiet sehr nah ist und – für manchen jedenfalls – auch sehr erholsam sein mag.

Es hat also immer auch etwas mit der Nähe der Natur zu tun. Und das kommt ja auch in den Umfrageergebnissen der Präsentation zum Tragen. Wenn in dieser Umfrage eine übergroße Mehrheit die Natur und Landschaft der Stuttgarter Region an erste Stelle setzt, dann hat das vielleicht auch mit der spezifischen Schönheit und den Qualitäten dieser Landschaft und ihrer Natur zu tun, aber es zeigt ganz überwiegend generell den Stellenwert, den Natur und Landschaft überall für die Menschen ganz unabhängig von der Region haben.

Und ich muss gestehen, dass ich schon etwas überrascht war angesichts der Tatsache, dass der Economist in seinem Ranking der lebenswertesten Städte der Welt Stuttgart als einzige deutsche Stadt 2023 um 13 Plätze nach oben geschoben hat und Stuttgart dort auf Rang 25 weltweit rangiert. Wie immer das zustande kam, was immer auch die Kriterien

waren.

Die Stuttgarter Region hat keine nennenswerten Seen, geschweige denn Meer und keine echten Berge. Und trotzdem strahlt diese Wein-, Wald- und Obstbaumregion etwas aus, was gemocht wird, was erhaltenswert ist und es erstmal verdient, gegen jede Form von Kahlschlag in Schutz genommen zu werden. So heißt es in der Vorlage auch folgerichtig, dass man erholungsrelevante Freiräume vor baulicher Nutzung schützen möchte.

Man muss selbstverständlich Anerkennen, dass die Naherholungsqualität ein ernstzunehmender Standortfaktor ist, gerade auch mit Wirkung auf die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Prosperität der ganzen Region. Insofern von unserer Seite volle Unterstützung für die Fortführung ihrer bisherigen Vorhaben im Rahmen des Raumordnungsgesetzes und des Landesentwicklungsplans Baden-Württemberg.

Volle Zustimmung insbesondere, dass man dabei auf die bei der Erarbeitung der unterschiedlichen Masterpläne des Landschaftsparks Region Stuttgart aufgebauten Kooperationen setzt. Die Region Stuttgart ist mehr als gut genug vernetzt, um das Thema mit allen relevanten Akteuren anzugehen und im Endeffekt alle Aspekte des Naherholungsangebots in der Region zu verbessern – von der Bekanntmachung über die Verkehrsanbindung bis zur Angebotserweiterung usw.

Ich will ihnen aber auch einige Kritische Grundgedanken zum Thema mit auf den Weg geben:

  1. Naherholung muss immer auch mit dem Auto gedacht werden. Die Menschen fahren an den Wochenenden in ihrer Region größtenteils mit dem Auto in diese Gebiete, ohne dass man hierzu sinkende Tendenzen o. Ä. feststellt. Wenn Angebote genutzt werden sollen, müssen sie ohne dogmatische Scheuklappen auch mit dem Auto sinnvoll zu erreichen sein – Stichwort Parkmöglichkeiten.
  1. Die beste gedachte Anbindung an den ÖPNV nützt nichts, wenn dieser seine Leistungen, z. B. wegen Personalmangels, gar nicht mehr erbringen kann.
  1. DIe Menschen sollen sich in ihrem Naherholungsgebiet wohlfühlen. Was da so schief gehen kann, zeigt exemplarisch das Naherholungsgebiet Max-Eyth-See in Stuttgart. Nachdem es dort in all den Jahrzehnten zuvor nie Probleme gab, konnten die Stuttgarter jüngst ganz unverfälscht vor Ort live erleben, was passiert, wenn der Erholungssuchende sich mit einem Mal zwischen Hammelgrillenden in Rauchschwaden und Müll wiederfindet. Er fühlt sich dann plötzlich überhaupt nicht mehr naherholt. Erst dank des dauerhaften und massiven Einsatzes von Ordnungskräften ist man jetzt dem Problem einigermaßen Herr geworden – das wird man nicht in jeder Naherholungsstätte durchführen können.

In diesem Sinne, erholen Sie sich gut von meiner Rede.

Ich danke Ihnen.

Christian Köhler

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